Midkemia und das Gleichgewicht in der Götterwelt

Geschrieben von Ken Ho

Beim Lesen des sechsten Buchs in der Bücherreihe Die Erben von Midkemia bin ich schon so weit, dass ich drei unterschiedlichen Welten begegnet bin, die erschaffen sind von dem amerikanischen Verfasser Raymond Feist. Im Artikel Wozu dient die Fantasie habe ich erwähnt, dass die Fantasie uns erlaubt, über unsere jetzige Wirklichkeit hinaus zu denken. Es gibt uns neue Denkansätzen die uns von der gewöhnlichen Rahmenbedingungen befreit.

Die drei Welten, Midkemia, Kelewan und die der Dasati, und die dort abgespielten Geschehnissen haben interessante philosophische Fragen aufgeworfen. In diesem Artikel möchte ich mit derjenigen Frage auseinandersetzen die am häufigsten im Buche diskutiert ist. Theosophie nimmt scheinbar einen wichtigen Platz ein während der Erkundung der Welt der Dasati von drei Menschen aus der menschlichen Welt Midkemia. Sie waren die Magier Pug und Nakor und ein kampfsüchtiger junger Mann Bek. Die Diskussion über die Götter geschah im Zuge der Erforschung der fremdartigen Weltordnung der Dasati, die sich mittels ihrer Gewalttätigkeit und Grausamkeit erhelblich von der im Vergleich eher friedlichen Menschen auf Midkemia unterschieden.

Zwei Fragen sind bei mir aufgekommen:-

(a) Gab es in der Urzeit viele Götter oder nur einen Gott? und

(b) in welchem Zustand gibt es das Gleichgewicht, wenn überhaupt?

Die Antworten weiß ich noch nicht, aber offensichtlich hat der Verfasser Raymond Feist einige Vorstellungen oder Ahnung davon, die in der Bücher verarbeitet sind.

Der Erzählung nach hatten schon viele Kriege stattgefunden bevor die Menschen auf Midkemia, einem Planet, der unsere Erde widerspiegelt, ansässig wurden. Die Kriegsführer waren die Götter. Es gab die Götter des Guten, des Schlechten, des Betrugs und so weiter. Darüber hinaus gab es auch kleinere Götter der Natur, die zwar minder mächtig waren, aber nicht ohne Bedeutung waren. Sie stritten miteinander, bis eines Tages der Gott des guten getötet wurde, und nur Fragmenten davon in unterschiedlichen Welten (oder Ebenen der Wirklichkeit, weil die Welt so vorgestellt war dass es aus verschiedenen Ebenen wie der einer Zwiebel bestände) übrig blieben.

Während die Menschen auf Midkemia und Kelewan noch Zugriff auf die Erinnerung dieser Götter hatten und sie anbeteten, war solche Erinnerung bei der Dasati schon lange her aufgelöst. Zum Beispiel, der Erzählung zufolge stand der Gott des Betrugs bekannt als Ban-ath oder Kalkin auf Midkemia und Kenntnis davon ist noch weitverbreitet unter den Menschen. Aber der Name desselben Gottes Olapangi in der Welt der Dasati wurde nur den Bluthexenschwestern zugänglich, einem geheimnisvollen Orden der sich von der Mehrheit der Dasati unterschied. Es heißt, dass das Dasati Volk nur einem Gott, dem dunklen Gott, diente, und sich nicht mehr an andere Götter erinnern konnte, die früher jemals existiert hatten. Der Grund darfür war, dass seit des Todes des Gottes des Guten, das Gleichgewicht in der Götterwelt zerstört war. In der Welt der Dasati hatte daher der Gott des Dunklen hervorgehoben der das Volk im Laufe der Zeit gewalttätig und grausam gemacht hatte. Ihre Erinnerung der anderen Götter war verblasst und unter der Mehrheit der Bevölkerung wurde nur der Gott des Dunklen verehrt, weil der die Präsenz der anderen Götter weggefegt hatte

Die ganze Geschichte weist daher eindeutig darauf hin, dass (a) es ursprünchlich viele Götter gab, und (b) der Zustand der Vielgötterei das Gleichgewicht in der Götterwelt darstellt.  Zumindestens ist dies die Vorstellung in der Fantasie Serie Die Erben von Midkemia. Diese Serie kann schon der Antsatz sein für weitere Forschung im Bezug auf unter anderem der menschlichen Vorstellung der Götter.

3 comments

  1. Dass selbst der Monotheismus nicht konsequent eine Machtbündelung in einer einzigen Quelle durchhalten kann, weil es den sozialen Erfahrungen der Menschen zu fremd wäre, zeigt sich besonders in der “Zuhilfenahme” von Engelsgestalten, Propheten etc. und vor allem auch der Polarisierung durch mindestens einen Widersacher, sowie dem Einbeziehen von familienähnlichen Strukturen.
    Mir scheint Monotheismus als einigendes Machtmittel formal besser funktionsfähig, aber das ist, wie ich meine, eher politischen als wirklich religiösen Überlegungen geschuldet.

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    • Danke für ihren Kommentar. Den Monotheismus als das Ergebnis der Machtbündelung mit Motiven von Struktur dahinter anzusehen ist eine interessante These. Ihrer Meinung samt der gegebenen Beispielen kann ich nur zustimmen. Dass Engelsgestalten und Propheten anwesend sind, deutet an, dass ihre untergeordnete Stellung in der Machtstruktur eher künstlich ist, nur weil eine bestimmte Religion den Anschein des Monotheismus erwecken und durchhalten möchte. Sie können immerhin der Gottheit leicht gleichgestellt werden, weil sie ebenso mächtig sind. Sie unterscheiden sich nur im Bezug auf ihre Aufgabenbereichen. Und wenn man sich immer noch darüber streiten möchte, dass die Differenzierung der Aufgabenbereichen zu unterschiedlichen Machtstellungen unbedingt führen muss, dann muss man noch die Teufelsgestalt bedenken. Die Polarisierung, wie sie es ausgedrückt haben, hebt das Gute hervor, indem es mit dem Bösen verglichen wird. Ich habe mal gehört, dass der Teufel einmal der Bruder Gottes ist. Aber sie stritten miteinander und der Teufel hat verloren. Seitdem ist der Teufel der Widersacher Gottes geworden.

      Es ist sehr plausibel, dass Vielgötterei die ursprüngliche Form der Religion ist, weil es der eher losen Familienstruktur seit der Urzeit nahe steht. Vielleicht im Zuge der Ausbreitung der Bevölkerung, samt der Umwandlung der Familie zur Nation, ist eine deutlichere Machtstruktur hervorgerufen die vorher nicht von wesentlicher Wichtigkeit war. Irgendwie dient die Religion der Machtstruktur und wenn die Gesellschaft komplizierter wird, entwickelt sich die Machtstruktur weiter um die gesellschaftliche Ordnung zu handhaben, was dazu führt dass die Religion umgestaltet wird, um das zu ermöglichen. Machtstruktur und Religion stehen selbstverständlich einander sehr nahe.

      – Ken Ho

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