Musik, Sprache und Philosophie

Geschrieben von Ken Ho

Alles Lebendige hat es gemein, dass das Ganze größer ist als die Einzelheiten. Ein Pferd ist nicht nur ein Pferd weil es vierfüßig ist und beritten werden kann, sondern weil es alle Eigenschaften die einem Pferd Definitionsgemäß zukommen, bei sich hat. Das klingt wie eine Tautologie, aber so einfach ist es doch nicht.

Ebenso lebendig sind Musik und Sprache. Sie scheinen zwar völlig unterschiedlich zu sein, weil sie ja sogar in der Schule als zwei Fächer betrachtet sind, aber man hätte sicherlich schon mal erfährt, vor allem im Gegenwart der Anderssprachiger, wie manche fremde Sprachen wie Musik klingeln. Die Satzmelodie einer anderen Sprache macht zum Beispiel die Worte so exotisch für unsere Ohren. Andererseits erzählt jedes gute Musikstück eine Geschichte. Ein schnelles musikalisches Verlauf zeichnet eine abenteuerliche, spannende oder sogar nervliche Atmosphäre auf. Daher ist es überhaupt gar nicht übertrieben um zu behaupten, dass Musik und Sprache einander sehr ähneln.

Die Ähnlichkeit zwischen ihnen stellt große Implikation hervor. Hieraus zieht man nützliche Ideen wie man eine fremde Sprache am besten lernen muss. Ein hartnäckiges Problem das beim Sprachenlernen auf einem geforderten Stadium zu Tage kommt, ist dass man sich zwar verständlich machen kann mit passenden Vokabeln und der richtigen Grammatik, aber noch immer zum Beispiel Stilistische Fehler macht die nie von Muttersprachler gemacht werden sollen. Es scheint als ob der Abstand zwischen Nicht-Muttersprachler und Muttersprachler zu groß zu überbrücken ist.

Die Schlüssel kann meiner Meinung nach gefunden werden in der Musiklehre. Das Musikspielen, abgesehen davon um welchem Instrument es sich nun dabei handelt, fordert uns auf, auf Details aufmerksam zu werden. Jeder Not muss am präzisen Zeitpunkt zum Ausdruck gebracht werden, damit man die richtige Rhythmus und Melodie und das für das Stück bestimmte Sentiment bekommt. Wenn nun etwas schief geht, ist der harmonische Zusammenhang unwiderruflich zerstört. Man kann diese Haltung als “perfektionistisch” nennen, aber es bleibt trotzdem immer noch so, dass die Seele der Musik nur zum Ausdruck kommt, wenn man alles ausführlich nachmacht, was vorgeschrieben ist.

Neben den Einzelheiten muss man auch in Betracht ziehen, dass das Ganze nicht außer Sicht fällt. Hier liegt ein grosses Irrtum das von Vielen unbeabsichtigt begangen wird. Wenn man die Noten ihrer Tonhöhen, ihrer Lautstärke und ihrer anderen zusammenhängenden Eigenschaften zufolge richtig ausführt, bedeutet es aber nicht automatisch dass man das Wesen des Stückes originalgetreu abgebildet hat. Ganz im Gegenteil. Die Details sind nur der Grundriss auf dem eine originalgetreue Ausführung eines Stückes beruht. Der nächste Schritt ist also das Philosophieren.

Das Wort Philosophie ist eine Zusammengesetztes Wort aus Griechisch “φιλεῖν (Lieben)” und “σοφία (Weisheit)”. Daher heißt es auch “Wijsbegeerde” im Niederländischen, also “Die Liebe zur Weisheit”. In diesem Kontext heißt das dass man über den Hintergrund der Musikstücke nachdenken muss. Beispielsweise dient man sich zu fragen, warum der Urheber das vorgeschrieben hat und warum bestimmte Techniken angewandt werden sollen nur hier aber nicht anderswo. Das Warum liegt also am Wesen der Philosophie. Motive gibt es immer bei aller Lebendigen Wesen, und das sind dingen nach denen wir auf der Suche sind.

In Anlehnung daran, kann jede Sprache nur gemeistert werden wenn man (1) erstens die Einzelheiten der Sprache unter die Lupe nimmt und (2) zweitens dem Ganze durch das Philosophieren näherkommt. Das letzte wird im Rahmen der Philosophie Millarsons als die Sprachgeist (Taalgeest im Niederländischen) genannt. Hier wird nach dem Lebendigen der Sprache hingewiesen. Nur wenn man die Sprachgeist begriffen hat, indem man, kann man sich mit der anbelangenden Sprache identifizieren. Dies erlangt man indem man die Kultur und Geschichte eines Volkes neben ihrer Sprache bestudiert. Schließlich, wenn man sich dabei erwischt, auch im Schlaf in der Sprache zu träumen, dann ist man nicht vom Erfolg weit entfernt.

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